Ich hab früher als ich noch in der Schule war, oft darüber nachgedacht, was Kunst eigentlich ausmacht und wie man sie eigentlich macht. Wo ist die Grenze zu rein zweckmäßig gestalteten Arbeiten, wie Werbeplakaten oder Verpackungen?
Meine Lehrerin brachte mich irgendwann zu der Erkenntnis, dass man jegliches Produkt als Kunst bezeichnen kann, ob es einem jemand glaubt, ist letztlich eine Frage der Erklärung. Hat sich nicht jeder schon mal gefragt, was an den geometrischen Formen auf einem einfarbigen Untergrund Kunst sein soll?
"Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar" sagte Paul Klee, das wollte ich für meine Technik auch immer. Es mag sein, dass zu einem richtigen Künstler auch das perfekte Handwerkszeug, wie Beoachtungsgabe, räumliches Verständnis und Kompositionsgabe gehören, aber ich habe Kunst immer spannender gefunden, wenn sie nicht nur zum Anschauen war.
Als Technik habe ich mir also eine Art Rohrschachtest ausgedacht: Ich verteile Farbe (am liebsten Aquarell, denn diese Farbe ist am eigenwilligsten) auf einem Untergrund und schaue, was ich darin entdecke. Ich versuche dann, die Augen des Betrachters auf diese Dinge hinzuweisen.
Eines meiner Lieblingskunstwerke steht im Berliner Scheunenviertel, ich weiß leider nicht wie es heißt: Es ist eine ebene Fläche, auf der sich ein Tisch und zwei Stühle befinden, der eine Stuhl ist umgefallen. Schon seit ich es das erste Mal sah, hat es den Wunsch geweckt, den Stuhl wieder hinzustellen, die Ordnung wieder herzustellen, aber niemand vermag das, denn es ist ja ein plastisch festgehaltener Moment.
Aber Kunst ist natürlich auch Arbeit und entsteht durch die Beschäftigung mit einem Thema, sei es ein theoretisches wie Räumlichkeit oder etwas ganz Gegenständliches, wie das Cover zu einer CD. Allerdings finde ich, dass Kunst zu 90 Prozent der Prozess des Schaffens ist und was im letztlichen Produkt davon übrig bleibt, ist hier zu sehen...